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    tech insights

    Smart Product: Wenn das Produkt zur Plattform wird

    Smarte Produkte gelten seit Jahren als Hoffnungsträger für neue Geschäftsmodelle, zusätzliche Services und bessere Kundenerlebnisse. Gleichzeitig steigt der Druck: Produktlebenszyklen werden kürzer, globale Wettbewerber drängen auf den Markt, Nachhaltigkeit wird zur Pflicht statt zur Kür. Die zentrale Frage ist deshalb nicht mehr, ob Unternehmen ihre Produkte und Geschäftsmodelle weiterentwickeln müssen, sondern wie. Für viele Unternehmen wird genau jetzt sichtbar, dass klassische Entwicklungslogiken an ihre Grenzen stoßen. Digitale und vernetzte Funktionen entfalten ihren Wert nur dann, wenn Geschäftsmodell, Technik und Nutzerbedarf gemeinsam gedacht werden. Einzelne Features reichen dafür nicht aus. Entscheidend ist, welche Rolle das Produkt im Zusammenspiel aus Technologie, Organisation und Nutzung übernimmt.

    Genau daraus entsteht die nächste Frage. Welche Rolle spielt das Produkt selbst in diesem Wandel?

     

    Vom Produkt zum Geschäftsmodell und weiter zum Ökosystem

    Smart Products sind mehr als vernetzte Hardware mit ergänzender Software. Sie entwickeln sich zu zentralen Treibern für neue Geschäftsmodelle und sind heute häufig sogar deren Voraussetzung. Viele Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ihr bestehendes Geschäftsmodell weiterzuentwickeln und stärker auf datenbasierte Services auszurichten.

    Statt einmalig ein Produkt zu verkaufen, rücken wiederkehrende Erlöse, zusätzliche Serviceangebote und Modelle wie Product as a Service in den Vordergrund. Entscheidend ist dabei nicht ein einzelnes Feature, sondern die Fähigkeit, rund um das Produkt ein stimmiges Ökosystem aus Services, Plattformen und datengetriebenen Angeboten aufzubauen. Ein Feature lässt sich schnell kopieren, ein funktionierendes Zusammenspiel aus Hardware, Software, Service und Daten dagegen kaum.

    Zeitdruck: Produktlebenszyklen schrumpfen um fast die Hälfte

    In vielen Bereichen, etwa in der Unterhaltungselektronik, haben sich die Produktlebenszyklen drastisch verkürzt. Neue Generationen kommen immer schneller auf den Markt, Updates werden von Kunden erwartet und nicht nur als Bonus wahrgenommen.

    Für Unternehmen bedeutet das:

    • mehr Entwicklungszyklen in kürzerer Zeit
    • höhere Komplexität durch Software, Vernetzung und neue Services
    • gleichzeitig steigender Kostendruck
    • Komponenten, die gezielt für Austausch und Remanufacturing ausgelegt sind
    • Geschäftsmodelle, bei denen das Produkt im Besitz des Herstellers bleibt und als Service betrieben wird
    • der Einsatz eines digitalen Produktpasses, der Material, Nutzung und Zustand transparent dokumentiert

    Kein Unternehmen kann diese Entwicklung auf sich allein gestellt bewältigen. Dienstleister, Technologiepartner und spezialisierte Ökosysteme werden zum entscheidenden Hebel, um Geschwindigkeit, Qualität und Wirtschaftlichkeit zusammenzubringen. Wichtig ist, dass Partner nicht nur als verlängerte Werkbank agieren, sondern das Geschäftsmodell des Kunden verstehen und ihre Leistungen an der jeweiligen Transformationsstufe ausrichten – vom vernetzten Produkt bis hin zum datengetriebenen Serviceportfolio.

    Je stärker Produkte vernetzt und serviceorientiert werden, desto wichtiger ist es, den Fokus auf eine einfache und zuverlässige Nutzung zu bewahren. Denn auch technisch ausgereifte Lösungen entfalten ihren Wert nur dann, wenn sie im Alltag verständlich und praktikabel bleiben.

    Smart heißt nicht kompliziert, sondern nutzbar

    Ein verbreitetes Missverständnis in der Diskussion um smarte Produkte ist die Annahme, dass mehr Technologie automatisch mehr Nutzen erzeugt. In der Realität ist die technische Machbarkeit selten das eigentliche Limit. Die Grenze verläuft in der Regel dort, wo die Akzeptanz der Nutzenden abnimmt. Entscheidend ist nicht, wie viele Funktionen ein Produkt besitzt, sondern wie gut es die Bedürfnisse im Alltag trifft und wie reibungslos die Interaktion funktioniert.

    Ein Smart Product überzeugt dann, wenn es den Menschen entlastet und Situationen vereinfacht. Eine klare Nutzerführung, verständliche Interaktionen und ein sofort nachvollziehbarer Mehrwert sind wichtiger als zusätzliche Features. Gerade weil smarte Produkte technisch komplex sind, müssen sie an der Oberfläche besonders intuitiv sein. Sonst entsteht schnell der Eindruck, dass die Technologie den Alltag eher belastet als verbessert.

    Erfolgreiche Konzepte verbergen ihre Komplexität deshalb bewusst. Sensorik, Konnektivität, Algorithmen und Datenflüsse laufen im Hintergrund, während das Produkt nach außen den Eindruck von Selbstverständlichkeit vermittelt. Diese Einfachheit ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines hohen Engineering-Aufwands. Sie zeigt, dass smart nicht bedeutet, ein Produkt bis an die Grenze dessen auszureizen, was technisch möglich ist. Smart bedeutet, es so zu gestalten, dass es sich organisch in die Lebens- und Arbeitswelt einfügt.

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    Nachhaltigkeit als Business Case statt als Pflichtübung

    Auch beim Thema Nachhaltigkeit entstehen Spannungsfelder. Zwischen regulatorischen Anforderungen, gesellschaftlichen Erwartungen und wirtschaftlichen Zwängen müssen Unternehmen Lösungen finden, die über reine Gesetzeserfüllung hinausgehen. Die zentrale Aufgabe besteht darin, Nachhaltigkeit zu einem tragfähigen Bestandteil des Geschäftsmodells zu machen.

    Ein Ansatz besteht darin, Produkte von Beginn an so zu denken, dass sie mehrere Lebenszyklen durchlaufen können, inklusive Rücknahme, Aufarbeitung und Wiedereinsatz. Beispiele sind:

    So entsteht eine neue Form der Wertschöpfung. Reparatur, Upgrade und Wiederverwendung werden selbst zum Geschäftsmodell. Entscheidend ist, dass diese Ansätze wirtschaftlich tragfähig sind und für Kunden einen echten Nutzen schaffen.
    Damit berührt Nachhaltigkeit unweigerlich Themen wie globale Konkurrenzfähigkeit und die Frage, wie Unternehmen ihr Know-how zukunftssicher aufstellen. Denn je stärker Produkte über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg begleitet werden, desto wichtiger wird die Fähigkeit, Prozesse, Daten und Entwicklungswissen konsistent zu managen.

    Globalisierung, Know-how und langfristige Wettbewerbsfähigkeit

    Viele Industrien haben in den vergangenen Jahrzehnten Teile ihres Kernwissens ins Ausland verlagert, oft aus Kostengründen. Einige Rennen sind schwer aufzuholen. Gleichzeitig eröffnet die eigene digitale Transformation neue Optionen. Wiederholbare Tätigkeiten lassen sich durch Automatisierung und KI effizienter abbilden. Prozesse werden beschreibbar und skalierbar, unabhängig vom Standort. Engineering-Aufwände können durch schlankere Organisation, bessere Datenbasis und virtuelle Methoden sinken.

    Fünf Hebel für Unternehmen auf dem Weg zum Smart Product

    Aus diesen Entwicklungen ergeben sich fünf Handlungsfelder, die für Unternehmen auf dem Weg zum Smart Product besonders relevant sind. Sie bilden den Rahmen, um Technologie, Organisation und Geschäftsmodell zielgerichtet weiterzuentwickeln.

    1. Geschäftsmodell schärfen und weiterentwickeln
      Die Entwicklung eines Smart Product sollte niemals Selbstzweck sein. Ausgangspunkt ist die Frage, wo das Unternehmen in Zukunft wirklich Geld verdient. Value Pools, Services, Daten und Ökosysteme müssen bewusst analysiert und priorisiert werden.
    2. Produkte konsequent kundenzentriert entwickeln
      Die reine Ingenieursbrille reicht nicht mehr aus. Interdisziplinäre Teams aus Entwicklung, Business, Produktion, Vertrieb und UX stellen sicher, dass sich die Funktionen am tatsächlichen Nutzen orientieren.
    3. Prozesse und Organisation transformieren
      Komplexe Hierarchien und aufwendige Freigaben bremsen Innovation. Schlanke, cross-funktionale Teams und ein hoher Grad an Parallelisierung in der Entwicklung werden zum Wettbewerbsvorteil.
    4. IT und Datenlandschaft als Rückgrat verstehen
      Ohne konsistente Datenbasis bleiben viele Ideen Stückwerk. Wer Daten aus Entwicklung, Produktion, Betrieb und Service verbindet, schafft die Grundlage für Kreislaufmodelle, Predictive Services und kontinuierliche Produktverbesserung.
    5. Partnernetzwerke aktiv gestalten
      Kaum ein Unternehmen kann alle Kompetenzen selbst abdecken. Entscheidend ist, ein passendes Ökosystem aus Technologie-, Entwicklungs- und Beratungspartnern aufzubauen, das von der Strategie bis zum Testing trägt, von Hardware bis Cloud.

    EDAG als Partner auf dem Weg zum Smart Product

    Smarte Produkte entstehen nicht durch einzelne Features, sondern durch das Zusammenspiel aus Engineering, Software, Daten und einer klaren Vorstellung davon, welchen Nutzen ein Produkt im Alltag stiften soll. Genau an dieser Schnittstelle unterstützt EDAG Unternehmen dabei, ihre Produkte weiterzuentwickeln und tragfähige Smart-Product-Konzepte umzusetzen.

    Mit Erfahrung aus Hardwareentwicklung, Digitalisierung, Softwarearchitekturen und intelligenter Produktion begleiten wir den gesamten Weg: von der frühen strategischen Einordnung über die technische Umsetzung bis hin zur Integration in bestehende Prozesse und Systeme. Dabei geht es nicht nur darum, Technologien einzusetzen, sondern Produkte so zu gestalten, dass sie technisch belastbar sind, wirtschaftlich funktionieren und beim Nutzer als zukunftsfähige Smart Products einen echten Mehrwert erzeugen.

    Möchten Sie tiefer eintauchen? Sehen Sie sich die Aufzeichnung des „Smart Product” Couchtalk an

    Weitere spannende Einblicke und Perspektiven unserer Experten zu intelligenten Produkten, neuen Geschäftsmodellen, Nachhaltigkeit und Ökosystemen finden Sie in der Aufzeichnung des EDAG Couchtalk „Smart Product”.

    Teilnehmer des Couchtalk:

    • Prof. Dr. Florian Kauf (Partner Operations, PWC)
    • Jörg Hülsmann (Vice President CAE & Vehicle Safety, EDAG)
    • Heiko Herchet (Vice President Digital Transformation, EDAG)
    • Alex Paldus (Vice President E/E, EDAG)
    • Dr. Frank Breitenbach (Moderator, EDAG)

    Haben Sie Fragen? Bitte wenden Sie sich an unsere Kollegen Heiko Herchet und Dr. Frank Breitenbach.

    Aufzeichnung Webinar Smart Product

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