Edag Weltweit

    Vehicle Engineering
    br
    Brasilien
    cn
    gb
    it
    jp
    my
    mx
    nl
    se
    pl
    ch
    es
    cz
    hu
    us
    Production Engineering
    br
    cn
    in
    mx
    se
    cz
    hu
    us

    tech insights

    Vom Shopfloor zur AI Factory: Wie Produktion wirklich smart wird

    Die Smart Factory gilt seit Jahren als Leitbild der industriellen Transformation. Sensorik, IoT, Datenräume und KI versprechen eine Produktion, die sich selbst optimiert, Engpässe erkennt und flexibel auf neue Anforderungen reagiert. Doch die Realität in vielen Werken sieht anders aus. Brownfield-Datenlandschaften, fehlende Standards, knappe Ressourcen und parallele Innovationswellen machen deutlich, dass der Weg zur intelligenten Fabrik weniger einem Technologiesprung als vielmehr einem systematischen Wandel gleicht.

    Daten sind der Anfang, nicht die Lösung

    In vielen Produktionsbereichen existieren wertvolle Datenquellen seit Jahren, doch sie bleiben isoliert. Maschinen liefern Messreihen, Qualitätsdaten werden manuell dokumentiert oder in Excel geführt und Prozesse laufen parallel in verschiedenen Systemen. Die Daten sind vorhanden, aber sie sprechen keine gemeinsame Sprache.

    Die zentrale Herausforderung ist daher nicht die Erfassung, sondern die zentrale Nutzung der Daten. Erst wenn Daten einheitlich beschrieben, zeitliche Zusammenhänge korrekt verknüpft und Prozessschritte eindeutig identifizierbar sind, entsteht ein Gesamtbild, das sich für Optimierungen nutzen lässt. Viele Unternehmen unterschätzen diesen Aufwand. Sie investieren in Sensorik und Dashboards, ohne zu prüfen, ob eine durchgängige Datenlogik existiert, die spätere KI-Szenarien überhaupt erst ermöglicht.

    In der Smart Factory führt daher kein Weg an einem strukturierten Datenfundament vorbei. Die Frage lautet nicht, ob es Daten gibt, sondern ob sie konsistent, verlässlich und vollständig genug sind, um darauf Aufbauen und Entscheidungen treffen zu können.

    Modular statt monolithisch: Warum starre Systeme ausbremsen

    Ein weiterer Engpass entsteht durch historisch gewachsene Systemlandschaften. Produktions-IT war lange geprägt von monolithischen Systemen, die bestimmte Abläufe fix abbilden. Jede Änderung wird zur Großoperation, jeder neue Anwendungsfall braucht ein eigenes Projekt.

    Modulare Architekturen lösen dieses Problem. Sie ermöglichen es, einzelne Funktionen unabhängig voneinander anzupassen, Services zu ergänzen oder neue KI-Modelle einzubinden, ohne das Gesamtsystem zu destabilisieren. Gerade im industriellen Umfeld, in dem lange Lebenszyklen auf schnelle Innovationszyklen treffen, ist diese Flexibilität entscheidend.

    Eine moderne Smart Factory braucht daher mehr als eine technologische Aufrüstung. Sie benötigt ein Baukastensystem, in dem Hardware, Software, Daten und Prozesse auf Veränderbarkeit ausgelegt sind. Die Fabrik der Zukunft ist nicht statisch, sondern flexibel.

    Der Mensch bleibt ein zentraler Faktor

    Trotz wachsender Automatisierung spielen Menschen eine Schlüsselrolle. Sie überwachen kritische Abläufe, bewerten komplexe Situationen und entscheiden, wie mit Abweichungen umzugehen ist. Die Frage lautet daher nicht, ob der Mensch ersetzt wird, sondern wie technische Systeme ihn sinnvoll unterstützen.

    In der Smart Factory entstehen neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Technologie. KI kann Muster erkennen, Prognosen liefern oder Handlungsempfehlungen ausgeben. Die finale Bewertung bleibt jedoch bei qualifizierten Fachkräften, die das Produktionsumfeld besser verstehen als jedes Modell. Gleichzeitig müssen neue Tools verständlich gestaltet sein, damit sie Vertrauen schaffen und Entscheidungen nachvollziehbar bleiben. Transparenz ist wichtiger als perfekte Präzision.

    headerbild-landingpage-smart-factory

    Brownfield ist die Regel, nicht die Ausnahme

    Viele Unternehmen wünschen sich einen Neustart auf der grünen Wiese. In der Realität bestehen die meisten Werke jedoch aus gewachsenen Brownfield-Umgebungen. Unterschiedliche Maschinengenerationen, über Jahre angepasste Steuerungen und variierende Dokumentationsstände sind der Normalfall. Smart Factory bedeutet deshalb, mit diesen Bedingungen zu arbeiten, statt sie auszublenden.

    Typische Ausgangssituationen im Brownfield sind:

    • Maschinen mit langen Lebenszyklen und heterogenen Steuerungen
    • Dokumentation, die über viele Jahre aktualisiert wurde und nicht überall konsistent ist
    • Daten, die in Insellösungen oder Excel-Dateien liegen
    • Unterschiede zwischen Linien oder Werken, die standardisierte Ansätze erschweren
    • Retrofit-Konzepte, bei denen bestehende Maschinen gezielt technisch und digital nachgerüstet werden, um sie in moderne Produktions- und Datenstrukturen einzubinden und ergänzende Sensorik
    • Integrationsschichten, die heterogene Quellen verbinden

    Gerade hier sind pragmatische Schritte entscheidend. Transformation beginnt nicht mit der perfekten Architektur, sondern mit dem ersten sinnvollen Anschluss an bestehende Systeme. Wirksam sind vor allem Lösungen, die den vorhandenen Bestand nutzbar machen:

    Smart Factory im Brownfield heißt, bestehende Strukturen und vorhandene Daten gezielt zu nutzen und weiter auszubauen, statt sie zu ersetzen. Der Mehrwert entsteht dort, wo Systeme und Daten anschlussfähig sind und nächste Entwicklungsschritte darauf aufbauen können, nicht durch Abriss und Neubau.

    Die AI Factory: Wenn Produktion und Daten zu einem System verschmelzen

    Die nächste Entwicklungsstufe geht über reine Digitalisierung hinaus. Die AI Factory entsteht dort, wo Entscheidungen datenbasiert vorbereitet und operative Abläufe kontinuierlich optimiert werden. KI-Modelle analysieren Qualitätsdaten, erkennen Abweichungen frühzeitig, simulieren Produktionsszenarien oder priorisieren Wartungsmaßnahmen.

    Entscheidend ist, dass diese Intelligenz nicht isoliert arbeitet. Sie wird Teil der Produktionsprozesse und agiert in Echtzeit. An dieser Stelle wird der Wert sauberer Daten besonders sichtbar. Ohne verlässliche Grundlagen entsteht keine belastbare Prognose. Ohne integrierte Systeme lässt sich keine Empfehlung automatisiert umsetzen.

    Die AI Factory ist daher kein technisches Einzelprojekt. Sie ist ein Organisationsmodell, das Daten, Menschen, Prozesse und Technologie verbindet. Wer diesen Schritt gehen will, braucht Mut, klare Ziele und die Bereitschaft, iterative Lernprozesse zu durchlaufen. Viele erfolgreiche Umsetzungen beginnen mit kleinen Anwendungsfällen, die zügig validiert und systematisch skaliert werden.

    Welche Schritte Unternehmen jetzt zur Smart Factory gehen sollten

    Der Weg in die Smart Factory ist keine lineare Abfolge von Technologien. Er ist ein Lernprozess, in dem Strategien, Systeme und Rollenbilder schrittweise weiterentwickelt werden. Der größte Fehler wäre, auf die perfekte Ausgangslage zu warten. Fortschritt entsteht durch pragmatische Schritte, die vorhandene Stärken nutzen und neue Möglichkeiten gezielt erproben. Ein klarer strategischer Rahmen, flexible Architekturansätze und der Mut, auch unvollständige Daten nutzbar zu machen, bilden die Grundlage für jede Weiterentwicklung. Entscheidend ist nicht, sofort alles richtig zu machen, sondern konsequent voranzukommen, Erfahrungen auszuwerten und die eigenen Prozesse Stück für Stück aufzuarbeiten, zu optimieren und Schritt für Schritt miteinander zu verbinden.

    Viele Unternehmen stehen heute an dem Punkt, an dem klar ist, dass ihre Produktion smarter werden muss, ohne dass der logische erste Schritt offensichtlich ist. Orientierung bietet eine Reihe von Maßnahmen, die sich in nahezu allen Industrien bewährt haben:

    1. Datenbestand sichtbar machen: Bevor neue Sensorik implementiert oder KI-Modelle aufgebaut werden, braucht es Transparenz darüber, welche Daten bereits existieren, in welcher Qualität sie vorliegen und wie sie heute genutzt werden. Oft entsteht allein durch diesen Überblick ein klarer Fokus für erste Use Cases.
    2. Pilotbereiche definieren: Kleine, abgegrenzte Bereiche eignen sich ideal, um Datenstrukturen, Prozesse und KI-Ansätze schnell zu testen. Die gewonnenen Erkenntnisse dienen als Blaupause für weitere Produktionslinien.
    3. Modularität als Prinzip etablieren: Neue Tools, Softwaremodule und Schnittstellen sollten grundsätzlich erweiterbar sein. Modularität verhindert spätere Integrationsprobleme und schafft eine Architektur, die langfristig wachsen kann.
    4. Mitarbeitende früh einbinden: Know-how aus Produktion und Instandhaltung ist entscheidend für erfolgreiche Smart-Factory-Konzepte. Wer die Menschen früh in die Entwicklung einbezieht, erhöht sowohl die Akzeptanz als auch die Prozessqualität.
    5. Use Cases nach Nutzen priorisieren: Nicht jede Idee lohnt sich. Der Fokus sollte auf Anwendungen liegen, die schnell spürbare Verbesserungen erzeugen, etwa durch Qualitätsprognosen, Prozessstabilisierung oder optimierte Taktzeiten.
    6. Skalierung mitdenken: Ein Pilot ist nur dann wertvoll, wenn er übertragbar ist. Standards, wiederverwendbare Module und eine saubere Datenarchitektur sorgen dafür, dass Lösungen später auf andere Werke ausgerollt werden können.
    7. Pragmatisch bleiben: Brownfield ist der Normalfall. Unterschiedliche Maschinengenerationen und lückenhafte Dokumentation sind keine Hindernisse, sondern Rahmenbedingungen. Wer diese Realität akzeptiert, findet schneller Lösungen, die wirklich funktionieren.

    Wie EDAG Unternehmen auf diesem Weg begleitet

    Die Smart Factory entsteht an der Schnittstelle von Engineering, Produktion, Software und Daten. EDAG unterstützt Unternehmen dabei, genau diese Verbindung herzustellen. Dazu gehören robuste Architekturen, sinnvolle Datenmodelle, optimierte Prozesse, Retrofit-Strategien für Brownfield-Umgebungen und Lösungen, die Mensch und Technologie sinnvoll zusammenbringen. Ziel ist eine Produktion, die effizienter, flexibler und gleichzeitig leichter steuerbar wird. Wir begleiten Sie bei allen Schritten auf dem Weg dorthin.

    Noch tiefer einsteigen? Zur Couchtalk-Aufzeichnung „Smart Factory“

    Erhalten Sie spannende Einblicke und Perspektiven unserer Expertinnen und Experten rund um das Thema Smart Factory. In der Aufzeichnung erfahren Sie, wie Datenarchitekturen, KI und Brownfield-Realitäten in der Praxis zusammenfinden und welche Entwicklungen die kommenden Jahre prägen werden.

    Teilnehmer des Couchtalks:

    • Dr. Sandra Maus (Head of Solution Advisory Supply Chain Management, SAP)
    • Theresa Sinn (Head of Operational Excellence, EDAG)
    • Mark Kramer (Head of Solutions and Services, EDAG)
    • Christoph Schultheis (Head of Automation, EDAG)
    • Dr. Frank Breitenbach (Moderation, Senior Expert Planning Methodology, EDAG)

    Sie haben Fragen? Sprechen Sie unsere Kollegen Mark Kramer und Dr. Frank Breitenbach an.

    Aufzeichnung Couchtalk Smart Factory

    Jetzt Aufzeichnung ansehen
    Experten- gespräch  vereinbaren >>

    Ähnliche Beiträge

    Die Elektromobilität boomt – und mit ihr steigen die Anforderungen an die Leistungselektronik. Ob in E-Fahrzeugen, Nutzfahrzeugen, Schiffen oder industriellen Anwendungen: Systeme wie Inverter und DCDC-Wandler müssen heute nicht nur leistungsstärker, sondern auch kompakter, effizienter und schneller entwickelbar sein. Gleichzeitig wächst der Druck...

    >> Mehr Lesen
    Produktionsentscheider stehen unter Druck: Heterogene Systemlandschaften, Technologiesprünge, volatile Lieferketten und begrenzte Budgets erfordern eine integrierte Planung. Besonders kritisch ist die frühe Phase, denn hier fallen Investitionsentscheidungen, die Effizienz, Kosten und Zukunftsfähigkeit ganzer Produktionsstandorte auf Jahre hinaus...

    >> Mehr Lesen
    Ein fehlendes Bauteil reicht, um ganze Produktionslinien lahmzulegen. Ein Stau im Hafen kann globale Lieferpläne zum Einsturz bringen. Die vergangenen Jahre haben eindrücklich gezeigt, wie anfällig internationale Lieferketten sind. Pandemie, geopolitische Spannungen und steigende Energiekosten haben Schwachstellen schonungslos offengelegt und...

    >> Mehr Lesen
    EDAG Logo

    EDAG

    Kreuzberger Ring 40, 65205 Wiesbaden
    p +49 661 6000-0 f +49 661 6000-223